Mittwoch, 7. September 2011

Morgengrauen.

Heute morgen bin ich schon vor dem Wecker wach geworden - denn unsere Katze Lilu lief mir ständig über den Oberkörper. Das macht sie sonst eigentlich nicht, wenn ich noch schlafe. Viel mehr liegt sie geduldig mit im Bett und wartet darauf, dass wir die Augen aufmachen, damit sie uns begrüßen kann. Ein bisschen spielt in diese Wartephase vielleicht auch der minimal eigennützige Katzen-Hintergedanke mit hinein, dass wir nach dem wach werden traditionell immer ein bisschen "Maus" mit ihr spielen (die menschliche Hand unter der Decke simuliert einen fiesen Mäuse-Eindringling, der gejagt werden will und gestellt werden muss...).

Nach dem Toben: Wilde Katzenhaarerei.
Aber heute hat die Katz mit dem Krallengewühle schon losgelegt, bevor ich auch nur ansatzweise wach werden wollte. Mit etwas Mühe habe ich meine Augen aufgequält - schon entdecke ich Lilus konzentrierten und absolut ernst gemeinten Jägerblick, der auf eine Stelle meiner Bettdecke fokussiert ist.
Liebe Leser, das letzte Mal als dies passierte, hatte ich eine fette Hausspinne bei mir im Bett... Mhm, genau das dachte ich auch!
Ich wagte also, aufgrund meiner einschlägigen Vorgeschichte jetzt hellwach und fluchtbereit, einen schnellen Blick gen Bettdecke - und blickte einer ziemlich massiven Wespe ins Gesicht. Auch kein Spaß (aber die Spinne war seinerzeit schlimmer). Um die Vespinae (es kann eine Vespula vulgaris oder eine Vespula germanica gewesen sein, wer weiß das schon...) nicht zu verärgern, pellte ich mich in S l o w M o aus der Decke, mit einer Hand die Katze wegschiebend, damit sie nicht die Erfahrung Wespenstachel-in-Katzenmaul machen muss. Jagdverhinderungsmanöver contra Katzen sind im Übrigen nicht so einfach, wie es auf Unbeteiligte vielleicht den Anschein haben mag. Wenn der Killer in der Miez einmal erwacht ist... rennen die Katzeneltern am Ende in aller Regel mit einem zerstochenen oder brechenden Tier zum nächstgelegenen Veterinär.
Dem war nun heute nicht so. Zudem unsere Lilu sich auch relativ schnell einschüchtern lässt, sobald man als Mensch raumgreifende Husch-husch-Bewegungen einleitet.
Ich eilte in die Küche, um ein Vespinae-Fangglas und ein Stück Pappe zum Abdecken zu organisieren. Indes die Wespe beherzt gen Zimmerdecke fliegt - und sich dort mehrfach völlig an der Lampe über unserem Bett verbrennt, die ich vor meinem Run in die Küche eingeschaltet hatte.



Unglaublich, wie viel Willen so ein Tierchen aufbringt, immer wieder summt und brummt und fliegt, nur um immer wieder am Lampenglas und den Glühbirnen auf- und abzuprallen und dann wieder völlig erschöpft liegen zu bleiben. Ich habe die Lampe über eine Stunde nicht aus den Augen gelassen, Fangglas in der Hand, beide Katzen (der Herr Kater hatte sich mittlerweile auch von seinem Schlafgemach erhoben) schnatternd und auf Schränke und Regale springend um mich herum.
Dann, endlich, krabbelt die Wespe - ich wollte schon fast Freundschaft mit ihr schließen und ihr freie Kost und Logis gewähren, so Leid tat sie mir mittlerweile - an den Rand des Lampenglases. Und lässt sich wie ein Lemming in die Tiefe stürzen.
Wäre ich nicht so beschäftigt damit gewesen, das Fangglas auszuwerfen, bevor die Katzen den Unglücksort erreichen konnten, hätte ich bestimmt über den Sprung der Wespe gelacht. Na ja, oder Sturz.
Der Wespe ging es danach soweit ganz gut. Sie war erst noch ein bisschen benommen - aber die Flügel und die Beinchen waren alle noch völlig intakt. So konnte ich sie letzten Endes außen auf dem Badezimmer-Fensterbrett in eine günstige Luftzug-Flugschneise setzen.
Als ich einige Zeit später nochmal durch´s geschlossene Fenster rausgeguckt habe, war Frau Vespinae nicht mehr da. Flieg wohl!

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